Reiten zum ersten Mal

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Reiten zu können war schon immer mein größter Traum. Ich besaß bereits einen Führerschein und ein eigenes Auto als ich meinen ersten Reitunterricht bei der Reitschule Urbani in Kärnten genommen habe.

Erster Unterricht und Kartoffelsack-Gefühl

Ich war sehr aufgeregt und konnte es kaum abwarten bis es endlich losging. Ich wollte alles ganz schnell wissen, wie man beim Pferd Gas gibt, bremst und die Geschwindigkeit reguliert. Es kann doch nicht so schwer sein wenn man weiß, auf welche ‚Knöpfe‘ man drücken muss, oder?

Erfahrene Reiter werden jetzt vielleicht lachen und ich schließe mich denen gerne an. Das habe ich tatsächlich geglaubt! Kein Wunder, dass in den ersten zwei Reitstunden mit dem Pferd Sascha kein Erfolg in Sicht war. Es fühlte sich komisch an, das Pferd gehorchte mir nicht und ich saß wackelnd obenauf und verstand nicht warum ich ständig mitwippen sollte, während Sascha gemütlich vor sich hin trabte. Nach kurzer Zeit tat mir alles weh, denn ich konnte mich in diese Bewegung einfach nicht hineinversetzen und baumelte wie ein Kartoffelsack hilflos im Sattel. Und das obwohl ich auf Sascha’s, Knöpfe‘ bestimmt richtig gedrückt hatte! Ich fühlte mich buchstäblich fehl am Platz. Und das war ich in diesem Augenblick wohl auch.

Stallgeschichten

Vor und nach den Reitstunden unterhielt ich mich gerne mit der Lehrerin, die die Reitschule zusammen mit ihrem Mann und ihrer Tochter betreibt. So erfuhr ich viele wunderbare Geschichten über die Schulpferde in diesem Reitstall. Und je mehr Geschichten ich gehört habe, desto größer wurde meine Begeisterung. Meine Faszination für Pferde wurde immer größer und mir wurde klar, wie falsch ich bisher mit meiner Denkweise lag.

Ein Pferd kann man nicht mit einem Auto vergleichen – niemals! Es gibt zwar Menschen die mit ihrem Auto sprechen, aber es gibt bestimmt kein Auto, das auf Anweisungen vom Lenker gar nicht oder nur schwach reagiert, nur weil der Lenker ein Anfänger ist. Oder ein Auto das selbstständig auf die Überholspur wechselt sobald man auf den höchsten Gang schaltet. Oder habt ihr vielleicht schon ein fliegensensibles Auto gesehen oder ein Auto das Passagiere raus wirft?

Die Stallgeschichten halfen mir zu verinnerlichen, dass ein Pferd ein Wesen mit einem eigenen  Willen, Charakter und einer starken Persönlichkeit ist. Ich verstand, dass wenn ich wollte, dass meine Zusammenarbeit mit Sascha funktionierte, ich zuerst an unserer Beziehung arbeiten musste. Viele Gedanken liefen durch meinen Kopf. Beim dritten Reitunterricht nahm ich mir vor alles anderes zu machen.

Herausforderung gemeistert

Schon beim Striegeln und Satteln sprach ich mit Sascha. Ich versuchte sein Vertrauen zu gewinnen, indem ich ihn bewusst respektvoll behandelte. Es hat eine Weile gedauert aber dann konnte ich regelrecht spüren, wie auch er sich für mich zu interessieren begann. Der erste Schritt für eine freundschaftliche Beziehung zwischen mir und Sascha war offensichtlich getan.

Beim Unterricht ließ ich Sascha wissen, dass ich ihm vertraute und ich fühlte mich selbst viel entspannter als sonst. Das gab mir die notwendige Energie um bestimmter und sicherer und gleichzeitig auch sanfter und respektvoller, gegenüber Sascha zu agieren. Diesmal konzentrierte ich mich weniger darauf wie ich Hände, Knie und Füße einzusetzen hatte sondern mehr auf Sascha und seine Bewegungen um in den richtigen Rhythmus zu finden um mich taktgenau mit ihm zu bewegen.

Und plötzlich war ich nicht mehr der Kartoffelsack sondern ein Teil von Sascha und seinen Bewegungen. Es war so überwältigend und mir fehlen heute noch die passenden Worte für dieses unbeschreibliche Glücksgefühl. Es lag nicht am ersten Erfolg sondern daran, dass ich meine Blockade im Kopf überwunden hatte.

Von diesem Moment an verstand ich, dass die Herausforderung beim Reiten nichts mit dem Wissen über die richtigen ‚Knöpfe‘ und ‚Schalter‘ zu tun hat. Reiten ist vor allem eine Herausforderung für Kopf, Geist und Seele. Reiten erfordert über den eigenen Schatten zu springen und eigene Grenzen neu zu überdenken. Und gerade das kann sehr schwer sein!

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